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Bus Power Monitor Europe
Projektstatus: im operativen Einsatz

Ausgangssituation & Problemstellung

Die Bus- und Gruppentouristik steht vor der Herausforderung, steigende Anforderungen an Elektromobilität im Fernreisebusverkehr mit real verfügbarer Ladeinfrastruktur in Einklang zu bringen. Moderne Elektroreisebusse verursachen hohe Investitionskosten; für Reiseveranstalter und Busunternehmer wird verlässliche Ladeinfrastruktur daher zur Grundvoraussetzung für wirtschaftliche Handlungsfähigkeit und die Durchführbarkeit künftiger Reiseprogramme. Kritisch sind dabei nicht nur Ladepunkte entlang von Autobahnen, sondern vor allem Standorte, an denen Reisebusse am Tagesende oder über Nacht stehen: in Städten, an Hotels oder bei touristischen Hotspots. Ein voll besetzter Reisebus kann nicht einfach während der Reise längere Ladepausen an beliebigen Rastanlagen einlegen. Im politischen Diskurs und in wirtschaftlichen Bewertungen fehlten bislang belastbare Realdaten dazu, wo künftige Ladebedarfe tatsächlich entstehen. Entscheidungen erfolgten daher weitgehend ohne konkrete, nach vorne gerichtete Datengrundlage.

Lösungsansatz & Einsatz von KI

Mit dem Bus Power Monitor Europe konzipierte Projektleiter Alexander Mirschel im Auftrag des RDA ein KI-gestütztes Monitoring- und Forecasting-Werkzeug. Ziel ist es, künftige Reisebewegungen im europäischen Bus- und Gruppentourismus sichtbar zu machen und daraus Übernachtungs-, Park- und potenzielle Lade-Hotspots abzuleiten. Grundlage sind Kataloge, Reiseausschreibungen und strukturierte Reisedaten europäischer Veranstalter.

KI wird entlang der gesamten Datenverarbeitung eingesetzt. Gedruckte und digitale Kataloginhalte werden per OCR und KI-basierter Textanalyse erschlossen. Aus unstrukturierten Reisebeschreibungen werden Reiseverläufe, Zielorte, Aufenthaltsdauern, Hotel- oder Ortsangaben, Zustiege, Terminserien und wiederkehrende Programme extrahiert. Semantische Verfahren helfen, ähnliche oder leicht abgewandelte Reisen zu erkennen, Dubletten zu vermeiden und unterschiedliche Schreibweisen, Ortsangaben oder Programmvarianten zusammenzuführen. Hotelnamen, Orte und Regionen werden georeferenziert; unsichere Zuordnungen werden markiert und plausibilisiert.

Auf dieser Basis entsteht ein nach vorne gerichteter Forecast realer Gruppenreise-Übernachtungspunkte in Europa, bei denen Reisebusse typischerweise über Nacht im Umfeld weniger Kilometer parken und im Falle von E-Bussen laden müssten. Ergänzend können Terminlogiken, Datenabdeckung und wiederkehrende Reiseprogramme für KI-gestützte Hochrechnungen und Bedarfskorridore genutzt werden.

In der Weiterentwicklung fließen zusätzliche Daten aus Tages- und Anmietverkehren sowie Informationen aus dem DZT Knowledge Graph ein. Außerdem werden Management-Dashboards, MCP-Zugang und Exportfunktionen sowie KI-gestützte Analysefunktionen aufgebaut, über die Stakeholder individuelle Auswertungen und dialogbasierte Abfragen zu Engpässen, Regionen, Zeiträumen oder Zielgebieten erstellen können.

Erkenntnisse, Learnings & Wirkung

Der Bus Power Monitor Europe schafft mit bereits über 200.000 validierten Übernachtungspunkten erstmals eine nach vorne gerichtete Datengrundlage dafür, wo Ladeinfrastruktur für elektrische Fernreisebusse tatsächlich benötigt wird. Potenzielle Engpässe können damit nicht nur abstrakt diskutiert, sondern räumlich konkret und visuell nachvollziehbar gemacht werden. Die Daten unterstützen Gespräche mit Politik, Verwaltung, Energieversorgern und Fahrzeugherstellern und zeigen, welche Städte, Regionen oder Veranstaltungsorte künftig besonders betroffen sein könnten.

Ein zentrales Learning ist, dass öffentlich verfügbare oder halbstrukturierte Informationen aus Reisekatalogen einen hohen strategischen Wert haben, wenn sie KI-gestützt extrahiert, strukturiert, georeferenziert und fachlich validiert werden. Zugleich wurde deutlich: Der Nutzen entsteht nicht allein durch KI, sondern durch die Kombination aus automatisierter Analyse, Branchenlogik und Plausibilisierung. Dass Akteure aus Politik, Verwaltung sowie Hersteller wie MAN und Mercedes-Benz die Daten bereits nutzen, zeigt den praktischen Mehrwert.

Mehr über den Case erfahren

Ansprechpartner


Alexander Mirschel
Realizing Progress

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